Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) ist einer der bekanntesten und gefährlichsten giftigen Pilze. Er gehört zur Familie der Wulstlingsverwandten (Amanitaceae). Hier sind die wesentlichen Merkmale und Informationen über diesen Pilz:
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Hut: Der Hut des Grünen Knollenblätterpilzes ist 5 bis 15 cm im Durchmesser, anfangs halbkugelig, später gewölbt bis flach ausgebreitet. Die Farbe variiert von blassgrün bis olivgrün oder gelblich-grün, oft mit einem seidigen Glanz, eingewachsen faserig. Die Oberfläche ist glatt, bei Feuchtigkeit leicht klebrig, und der Hutrand ist nicht gerieft. Die Huthaut ist tortenartig abziehbar.
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Lamellen: Die Lamellen sind weiß, frei (nicht am Stiel angewachsen) bis fein angewachsen und dicht stehend. Sie bleiben auch bei älteren Exemplaren weiß.
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Stiel: Der Stiel ist 8 bis 15 cm lang und 1 bis 2 cm dick, zylindrisch. Er ist weiß bis gelbgrünlich und ist oft genattert. Er hat eine hängende, vergängliche Manschette, die weiß und oft leicht gerieft ist. An der Basis des Stiels befindet sich eine zwiebelartige, weiße Knolle, die teilweise im Boden verborgen sein kann. An der Knolle befindet sich eine schlaff anliegende bis abstehende lappige Scheide.
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Fleisch: Das Fleisch ist weiß, fest und hat keinen besonderen Geruch, wenn es frisch ist. Bei älteren Exemplaren kann ein leichter, süßlicher oder an Honig erinnernder Geruch auftreten.
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Sporen: Die Sporen sind weiß, glatt und ellipsoid. Der Sporenabdruck ist ebenfalls weiß.
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Habitat: Der Grüne Knollenblätterpilz wächst in Laub- und Mischwäldern, bevorzugt in der Nähe von Eichen, Buchen und anderen Laubbäumen. Er erscheint von Sommer bis Herbst und ist in gemäßigten Zonen Europas und Nordamerikas weit verbreitet.
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Giftigkeit: Amanita phalloides ist extrem giftig und enthält Amatoxine, die lebensbedrohliche Leberschäden verursachen können. Der Verzehr kann zu schweren Vergiftungen führen, die in vielen Fällen tödlich verlaufen, wenn keine rechtzeitige und intensive medizinische Behandlung erfolgt. Die Symptome treten oft erst 6 bis 24 Stunden nach dem Verzehr auf und umfassen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, gefolgt von einer scheinbaren Besserung, bevor schwere Leberschäden und Nierenversagen einsetzen.
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Verwechslungsgefahr: Aufgrund seiner Erscheinung kann der Grüne Knollenblätterpilz leicht mit essbaren Pilzen wie Champignons (Agaricus) oder dem Frauentäubling (russula) verwechselt werden. Daher ist größte Vorsicht geboten.
Der Grüne Knollenblätterpilz ist einer der gefährlichsten Pilze und erfordert besondere Aufmerksamkeit und Kenntnisse bei der Pilzsuche. Es ist äußerst wichtig, diesen Pilz genau zu identifizieren und zu vermeiden, um tödliche Vergiftungen zu verhindern. Pilzsammler sollten im Zweifel immer auf das Sammeln verzichten oder einen erfahrenen Mykologen zu Rate ziehen.
Das Phalloides Syndrom
Das Phalloides-Syndrom ist eine schwere und potenziell tödliche Pilzvergiftung, die durch den Verzehr von Pilzen aus der Gattung Amanita (z. B. Grüner Knollenblätterpilz, Amanita phalloides) oder verwandter Arten ausgelöst wird. Es ist die häufigste Ursache für tödliche Pilzvergiftungen.
Ursache
Das Syndrom wird durch Amatoxine wie α-Amanitin verursacht. Diese Toxine hemmen die RNA-Polymerase II, was die Proteinsynthese in den Zellen blockiert und insbesondere Leber- und Nierenzellen zerstört.
Symptome
Die Vergiftung verläuft in drei Phasen:
- Latenzphase (6–24 Stunden): Keine Symptome, während die Toxine die Organe schädigen.
- Gastrointestinale Phase (24–48 Stunden): Starke Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchkrämpfe führen zu Dehydrierung und Elektrolytverlust.
- Organversagen (3–7 Tage): Schwere Leber- und Nierenschäden mit Gelbsucht, Gerinnungsstörungen und Bewusstseinsstörungen. Ohne Behandlung drohen Leberversagen, Koma und Tod.
Diagnose
- Anamnese: Verzehr verdächtiger Pilze.
- Labortests: Erhöhte Leberwerte (Transaminasen), Bilirubin und Hinweise auf Nierenversagen.
- Nachweis: Amatoxine im Urin oder Blut.
Therapie
- Sofortmaßnahmen: Aktivkohle zur Giftbindung (wenn frühzeitig erkannt).
- Medikamente: Silibinin (Mariendistelextrakt) schützt die Leberzellen.
- Intensivmedizin: Flüssigkeitszufuhr, Elektrolytausgleich, Dialyse bei Nierenversagen.
- Lebertransplantation: Bei akutem Leberversagen.
Prognose
Ohne Behandlung liegt die Sterblichkeit bei 20–30 %. Mit rechtzeitiger intensivmedizinischer Versorgung sinkt das Risiko erheblich.q